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Pastor's Heart von Fabian Witmer

Pastors HeartErstellt von Fabian J. Witmer

Liebe Gemeinde,

noch immer bin ich von Kais Predigt am Sonntag bewegt. - Er hat uns daran erinnert, dass Gott uns auch in den Stürmen unseres Lebens sieht und nicht einfach untätig zusieht. Dann las Kai einige Abschnitte aus seinem Gebetstagebuch des letzten Jahres vor. Auch für mich war es ungewohnt, von unserem sonst so positiven Kai in seine Glaubensherausforderungen bezüglich der Vision 2030 hinein genommen zu werden. - Dies bewegt mich bis heute und ich weiß nicht mal genau warum. Vielleicht, weil ich die von ihm ausgedrückten Emotionen auch kenne.

Seit Anfang Dezember war ich viermal beim Arzt, knapp fünf Wochen krank, unser Baby war mit dem RS-Virus sieben Tage lang im Krankenhaus und alles in allem war die Familie Witmer dadurch vollkommen erschöpft.

Es war angedacht, dass die Gebetswoche 2019 unter meiner Leitung stehen sollte. Zudem war einiges in dieser Woche für mich geplant:

  • Mitwirkung beim Kanzeltausch (Predigt in Hofheim)
  • musikalische Untermalung an den Abenden der Gebetswoche
  • Gestaltung eines Gebetsabends bei Open Doors in Kelkheim
  • Angebot zu Segnung und Seelsorge für die Teilnehmer unseres Mittagstischs
  • Moderation des Milal-Konzerts
  • Predigt zum Abschluss der Gebetswoche

Für mich wäre die Gebetswoche 2019 eine der geschäftigsten Wochen des Jahres gewesen - und das auf eine durchaus erbauliche Art und Weise. Einige dieser Punkte hatte ich bereits seit September 2018 vorbereitet. Ein besonderer persönlicher Höhepunkt wäre das Milal-Konzert gewesen, da ich mit dem Chor seit vielen Jahren verbunden bin. (So durfte ich bereits ihr Jubiläumskonzert im Wiesbadener Kurhaus vor knapp zwei Jahren als Pastor eröffnen.)

Neben diesen eher persönlichen Empfindungen, sah ich die Gebetswoche 2019 als einen der wichtigsten geistlichen Impulse für die Gemeinde im kommenden Jahr. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gebet Menschen, Dinge und Situationen verändert. Und ich bin (bedauerlicherweise) genauso davon überzeugt, dass Gebet in unserer Gemeinde eine viel zu unbedeutende und nebensächliche Rolle spielt (obwohl dies eine der existenziellen Bestandteile des Christentums ist). – Entsprechend war mir dieses Thema sehr wichtig. Und dann wurde ich (wieder) krank.

Nach den ersten Tagen des Krankseins, als mir langsam dämmerte, dass meine ganzen Pläne und Vorhaben ohne mein Mitwirken stattfinden müssten, breitete sich in mir ein tiefer Schmerz aus. Dieses Empfinden war in den ersten paar Tagen für mich schlimmer als das Kranksein selber. Es fühlte sich an, als wäre ich nach langem „Lernen“ zu spät zur Prüfung gekommen und hätte dann nicht mehr teilnehmen dürfen. Dies Gefühl lässt sich nur schwer mit Worten beschreiben und doch ist es sehr „einschneidend“. Dann habe ich natürlich gefragt: „Gott, warum muss sich gerade jetzt eine Lungenentzündung bekommen? Es hätte doch auch eine kleine (kurz dauernde) Erkältung gereicht. Und wenn schon: warum gerade jetzt? Es hätte doch auch so liegen können, dass die Gebetswoche und alle daran hängenden Aktivitäten wie geplant hätten stattfinden können. Warum Gott?“

Ich kann nicht sagen, dass ich auf diese Fragen eine Antwort erhalten hätte. Diese Geschichte hat mir jedoch erneut vor Augen geführt, wie kostbar das Leben ist und wie sehr wir Dinge als gegeben ansehen. Es haben in dieser Zeit einige Menschen für mich gebetet und doch kam es, wie es gekommen ist. Und so musste ich meiner eigenen Begrenzung in die Augen schauen. – Dieses Gefühl der Machtlosigkeit kann durchaus beunruhigend sein und doch wurde es nach einer Weile still in mir. Ich wusste: Seine Gnade ist mir genug. – Das klingt zwar irgendwie „fromm“, aber dieses „Nicht-Können“ war zugleich eine heilsame Erfahrung des „Nicht-Müssens“ und eine wertvolle Erinnerung an die eigene Gebrechlichkeit.

Euch wünsche ich nicht solche unangenehmen und herausfordernden Momente im neuen Jahr. Doch wenn sie kommen, wünsche ich euch, dass ihr zu einem reflektiert-heilsamen Umgang dazu findet und gegebenenfalls Menschen um Unterstützung fragt – im Gebet, in der Seelsorge und auch ganz praktisch. Denn – das habe ich durch Kais Predigt noch mal besonders gemerkt: wir sitzen manchmal alle im selben Boot und werden vom Sturm ziemlich durch die Gegend geschaukelt.

Euer
Fabian J. Witmer