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Pastor's Heart von Claudia Eisinger

Pastors Heart

Ich hatte eben ein spannendes Telefonat, das mich zum Reflektieren angeregt hat. Und es liegt mir am Herzen, diese Gedanken mit Euch zu teilen.

Zwei Beispiele: Den Winterspielplatz gibt es seit 7 Jahren. Er ist super toll und wird gut angenommen. In der Ausschreibung steht: „Spielzeit von 15-17.30 Uhr und im Anschluss räumen wir gemeinsam auf“. Etwa ab 17.15 Uhr sieht man dann Eltern auf die Uhr schauen und ihre Sachen packen um zu gehen, kurz bevor wir aufräumen. Das gleiche Phänomen hatten wir beim Babyfrühstück. Obwohl es die Kinder eigentlich lieben mit anzupacken, lieben es die Erwachsenen noch mehr nicht mit anzupacken  Zurück bleibt die frustrierte Ehrenamtliche oder der frustrierte FSJler, der alleine aufräumt, Tische wegräumt, Geschirr spült und Stühle stellt.

Warum ist das so? Beim Kinderturnen herrscht eine andere Mentalität, da ist es selbstverständlich, dass wir gemeinsam aufräumen nach dem Turnen. Im Turnverein gibt es scheinbar eine andere Kultur als in unserer Gemeinde, was das angeht. Haben wir als Andreasgemeinde den Leuten in den vergangenen Jahren nicht nur gedient, sondern sie zu sehr bedient? Es gibt ein tolles Buch von R. Precht „die Kunst kein Egoist zu sein“, das sich mit genau diesem Phänomen in unserer Gesamtgesellschaft beschäftigt. Je mehr DIENSTLEISTUNGEN und SERVICE angeboten werden (die Worte enthalten schon viel Wahrheit), desto weniger trägt der Einzelne in der Gemeinschaft bei. „Einer trage des anderen Last“ – gerne, aber heute Abend habe ich noch was anderes vor“. Und diejenigen, die beitragen wollen und sich daher Woche für Woche als Ehrenamtliche bei uns in der Gemeinde einsetzen, auf deren Schultern liegt eine Menge „Last“ – was auch unseren Räumlichkeiten geschuldet ist, die ständig hin- und hergebaut werden müssen, was mit viel Tische- und Stühleschleppen einhergeht.

Ich fände es schön, wenn wir nach wie vor den Anspruch haben, dass die Leute sich bei uns wohl und willkommen fühlen - dass die Teilnehmer und Besucher aber auch ECHTE Gemeinschaft erleben können. Eine Gemeinschaft die aus Geben und Nehmen besteht und wo der eigene Einsatz wertvoll für das Gesamtergebnis ist. Ich möchte bei allem dienen die Teilnehmer und Besucher nicht mehr bedienen. Denn ich möchte, dass die nächste Generation (unsere Kinder) zu Menschen werden, die sich einbringen, die ihre Stühle wegräumen, die einen Kuchen zu einer Veranstaltung mitbringen etc. Wir als Kirche sollten nicht Dienstleister sein, sondern Menschen in diesen Dienst mit rein nehmen…und wie gesagt ich rede hier von Besuchern und Teilnehmern, nicht von den vielen hundert Menschen, die sich eh Woche für Woche engagieren, damit so tolle Events wie unsere Gottesdienste, Go Special, Kompass, Winterspielplatz etc. gelingen können. Ich möchte, dass unsere Teilnehmer mehr mit anpacken. Das liegt mir für das kommende Jahr am Herzen.

Und ich denke nur so haben auch die frühen Gemeinden funktioniert. Wenn in der Bibel steht „sie aßen zusammen“, dann muss ja auch jemand das Essen mitgebracht haben und im Anschluss wurde sicherlich gemeinsam wieder weggeräumt.

In diesem Sinne wünsche Euch allen eine gesegnete Woche!