Sind wir noch eine Kirche für Distanzierte? Nein!

Eine Pastors Heart von Kai S. Scheunemann

Liebe Freunde der Andreasgemeinde,

letzten Donnerstag war der erste Abend von „Bier & Bibel“ im Restaurant Bommersheim. Wir waren 10 – davon nur zwei, die in der Andreasgemeinde sind. Für nächstes Mal haben sich 15 angemeldet. Fünf haben die Werbung im Eschborner Blättchen gesehen – und sind nur gekommen, weil es nicht in der Kirche stattfindet. Und weil es zur Bibel reichlich Bier gibt. 

Es war ein sooooo schöner Abend! Eigentlich war um 21 Uhr Schluss, aber alle sind bis 22 Uhr geblieben. Und es war spannend zu sehen, wie das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg immer tiefer in unser aller Leben hineingesprochen hat. Ein Mann sagte: „Beim ersten Lesen hielt ich es für eine nette Fabel, die gar nichts, aber auch gar nichts mit meinem Leben zu tun hat. Wie sehr habe ich mich geirrt?! Ich muss mir selbst den Stinkefinger zeigen.“ Und was mir als „alten Profi“ auffiel: Kirchendistanzierte haben nicht nur die besten Fragen, sie haben oft auch die spannendsten Gedanken zu diesen alten Texten von Jesus. Ich liebe diese Abenteuer!

Auf die Woche genau vor 29 Jahren – am 1.9.1996 – hatte ich meinen ersten Arbeitstag in der Andreasgemeinde. Ich wurde auf eine DM 580,- Stelle angestellt, um die Leitung des knapp ein Jahr alten GoSpecials von Klaus Douglass zu übernehmen. Schon damals war die Vision einer „Kirche für Distanzierte“ – eine Kirche für die Menschen, die eben nicht in der Kirche sind – der Grund, warum ich morgens aufgestanden bin. Sie treibt mich auch heute noch aus dem Bett – wobei über die Jahre aus dem „für“ ein „mit“ geworden ist. Wir sind jetzt leidenschaftlich gerne eine „Kirche MIT Distanzierten“. Und was ein Geschenk zu sehen, dass diese Vision heute überall in der Gemeinde gelebt wird: ob im Kindermusical-Team, das dieser Tage mit 100 Kids die Proben aufgenommen hat, oder Im Konfi-Unterricht und im Connect-Gottesdienst, im Familienzentrum, im Theaterteam und in der Seniorenarbeit, im Buchladen 7 Himmel und im Kirchenvorstand … überall engagieren sich Kirchentreue, -distanzierte, -ferne, Evangelische, Katholische, Freikirchliche und Nichtkirchliche, ja Antikirchliche Menschen gemeinsam, um einen Traum von Kirche zu leben. Ein Träumchen, diese Reise mit Euch! 

Ich bin so dankbar für diese Gemeinde! Das wollte ich Euch einfach mal schreiben.

Blessings für einen Spätsommer voller gespannter Aufmerksamkeit!
Euer Kai